Die kanarische Tierwelt ist weniger artenreich als die Flora. Spontan drängen sich Gedanken an Kanarienvögel auf, die von hierher stammen. Ständig bewußt muß sich der Autofahrer sein, daß ihm plötzlich ein übermütiges Zicklein vor die Stoßstange rennt. Seltener wird er Rinder zu Gesicht bekommen. Auf den saftig grünen Wiesen auf El Hierro, nordwestlich von Frontera und auf der Ebene von La Dehesa laufen sie frei herum. Die meisten der 30 000 bis 40 000 Rinder sind Stalltiere, die mit Bananenstauden gefüttert werden. Die Milch wird mit Ziegen- und Schafsmilch gemischt und zu Käse verarbeitet. Vor allem die Ziegen machen den Bauern nicht nur Freude, sondern auch Sorgen. Sie sind so zahlreich geworden, daß sie eine Bedrohung für die wasserarmen Inseln darstellen, denn sie fressen viele Pflanzen bis auf die Wurzeln ab, und zwar alle Pflanzen, an die sie herankommen können. Auf Fuerteventura gibt es alleine 30 000 Ziegen. Sie werden einfach auf das freie Land getrieben und suchen sich ihr Futter selbst. Der frühere Name von Puerto del Rosario war Puerto del Cabras (Ziegenhafen), was dann nicht mehr sehr schmeichelhaft für eine Hauptstadt war. Eine Umbenennung erschien angeraten. Der Hafen selbst behielt den Namen.
Neben den Ziegen sind es vor allem Kaninchen, die für die Bauern eine Bedrohung darstellen. Auf den Kanarischen Inseln werden jährlich etwa 15 000 Jagdlizenzen vergeben. Auf einem Quadratkilometer gehen
mindestens vier Jäger auf die Pirsch. Kaninchen stehen fast so oft wie Fisch auf den Speisekarten.
Dromedare und Kamele, die vor allem auf Lanzarote, vereinzelt auch auf Fuerteventura gesehen werden, beschränken sich beim Fressen auf die Pflanzen der Dornstrauch- und Halophytensteppen. Auf Lanzarote und der vorgelagerten Insel Graciosa wurden sie früher vor allem in der Landwirtschaft eingesetzt. Heute ist es lohnender, auf dem Rücken der Tiere Reisende durch die Feuerberge des Timanfaya zu schaukeln. Und
vor den Pflug kommt der Traktor. Zentren der Kamel- und Dromedarhaltung auf Lanzarote sind Uga und Yaiza. Bei Maspalomas auf Gran Canaria gibt es ebenfalls eine Dromedar-Farm, die Ausritte anbietet.
Schlangen und Skorpione gibt es hier nicht, aber Eidechsen (Lacertas), die Gekkos, muntere Kerlchen, die nicht nur aus Ärger die Wände hochgehen, sondern sich auf den weißgetünchten Flächen die Sonne auf
ihre hornige Haut brennen lassen. Die größten Eidechsen (Lacerta simonyi) auf Gran Canaria sind 60-80 cm lang. Auf dem Roque Salmor bei Punta Grande vor El Hierro sollen ebenfalls noch einige Exemplare dieser urzeitlichen Wesen überlebt haben. Eine besondere Eidechsenart sind die Skinke, die wegen ihrer Glätte, Schlankheit und manchmal Beinlosigkeit unnötigerweise als Schlangen erschlagen worden sind. Sie
sind jedoch harmlos und nützlich, denn Eidechsen verbreiten wie Tauben, Raben, Drosseln und Ameisen Samen von Tomaten, Wein, Lorbeer- und Drachenbäumen. Katzen und Esel gehören auf den Kanaren zu den verbreitetsten Haustieren. Esel werden heute noch eingesetzt, um im unwegsamen Gelände geschnittenes Gras zu transportieren. Und Eselsafaris gehören zu einem beliebten Urlaubsspaß auf den großen Inseln. Ein Beispiel dafür ist die „Burro Farm” bei Candelaria auf Teneriffa. Auch Hunde werden als Haustiere geschätzt. Die Bronzestatuen auf der Plaza Santa Ana in Las Palmas de Gran Canaria wurden zeitweilig als Denkmäler von Hunderassen gewertet, die den Kanarischen Inseln ihren Namen gaben (Geschichte).
Andere behaupten, die Inseln hießen nach dem Gesang der Kanarienvögel. Doch mußten die gelben Sänger im deutschen Harz hochgezüchtet werden, bevor sie als Rückimport auf den Inseln fröhlich trällerten. Den
Namen Harzer Roller tragen sie noch heute. Auf Lobos zwischen Fuerteventura und Lanzarote soll es einst Seehunde gegeben haben. Der Eroberer Gadifer de la Salle verdurstete fast, als er nach der Jagd nicht wieder von seinen Männern abgeholt wurde, die inzwischen im Fort Rubicon bei dem heutigen Fischerdorf Playa Blanca rebellierten. Seehunde sucht man heute auf der kleinen Insel vergebens. Anders ist es mit den Fischen. Um die Kanarischen Inseln gibt es Gewässer, die zu den reichsten Europas zählen. Tintenfische werden in fast jedem Restaurant angeboten. In Puerto de la Luz, dem Hafen von Las Palmas de Gran Canaria, landen Fischer aus ganz Europa und Nordafrika an. Haifisch-Jagden werden sowohl auf Teneriffa als auch auf La Gomera angeboten. Die Unterwasserwelt von Lobos sollte Naturschutzgebiet werden, so außergewöhnlich ist die Pflanzen- und Tierwelt unter der Wasseroberfläche. Tauchen ist ein beliebter Sport auf den Inseln. Fachleute führen auf allen Inseln in diese verschwiegene Welt ein, auf touristisch sehr erschlossenen Inseln wie Fuerteventura (Castillo de Fustes, Jandia) ebenso wie auf EI Hierro (La Restinga).