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Geographie

Jun-1-2008 By admin

Größere geographische Unterschiede als auf den Kanarischen Inseln sind kaum auf so engem Raum denkbar. Sieben Inseln — die kleinen Felseneilande nördlich von Lanzarote und im Süden Richtung Fuerteventura ausgenommen — heißt sieben Welten. Wüstenformen finden sich hier ebenso wie schneebedeckte Gipfel, schroffe Abstürze wie sanft abfallende Sandstrände, Riffe und Küstenabschnitte voll vulkanischen Gesteins, das sich scharfkantig in jeden bloßen Fuß schneiden würde. Andererseits auch Liebliches: Teneriffa wurde gar Blumeninsel genannt, obwohl dieser Name schon der dicht- bewachsenen Azoreninsel Flores eigen war. Ein anderer Name für Teneriffa wie auch Gran Canaria ist wegen der vielen Klimazonen und

vielgestaltigen Oberfläche nach Domingo Cardenes gar „continente en miniatura” — Kontinent im Kleinen. Die Kanarischen Inseln befinden sich zwischen 27 Grad 37′ (Punta Restinga auf EI Hierro) und 29 Grad 23 (Insel Alegranza) nördlicher Breite, sowie 13 Grad 20′ (Roque del Este) und 18 Grad 16′ (Punta Orchilla auf El Hierro) westlicher Länge im Bereich des nordwestafrikanischen Raumes. Nur knapp 100 km zum afrikanischen Kontinent sind es von Kap Juby auf Fuerteventura aus. Gibraltar ist 1100, Mitteleuropa etwa 4000 km entfernt. Der Archipel liegt auf gleicher Höhe wie Florida und Ägypten. Entsprechend trocken kann es hier auch werden: Die bewässerte Nutzfläche auf den Kanarischen Inseln wird auf 3 bis 6 Prozent geschätzt, 18 Prozent werden für den Trockenfeldbau, 44 Prozent für Weiden und Wälder genutzt; der Rest ist unproduktives Land. Über die exakte Größe der Kanarischen Inseln gibt es unterschiedliche Angaben, die um bis zu 700 qkm voneinander abweichen. Das Consejo Ecönomic Social Sindical de Canarias (CESCAN) errechnete 1973 7466 qkm für alle Inseln von Lanzarote (Alegranza) im äußersten Nordosten bis El Hierro im äußersten Südwesten. Zentrum des Archipels und nur 80 km voneinander entfernt sind die

dichtbesiedelten Inseln Teneriffa und Gran Canaria. La Gomera, El Hierro und La Palma schließen sich ozeanwärts an. Lanzarote und Fuerteventura stellen als flache Ostinseln eine eigene Einheit dar. Sie sind 85 km von Gran Canaria entfernt und verlaufen annähernd parallel zur afrikanischen Küste.

Lanzarote und Fuerteventura werden auch die Purpurarien genannt, weil hier eine Flechte für einen purpurnen Farbstoff gefunden wurde. Die Westinseln heißen Fortunaten, gemäß der lateinischen Bezeichnung Insulae fortunatae (Inseln der Glückseligen). Drei prägende Faktoren haben die Inseln gemeinsam: die Erosion des fließenden Wassers, die Abtragung durch die Brandung und vor allem den Vulkanismus. So bestehen die Abhänge aus Lavadecken unterschiedlicher Mächtigkeit, aus Tuffen, schwarzen basaltischen Lapilli, saurer Lava wie Andesit und Trahyt, hellen Bimssteinen und alten, verbrannten Böden, den rotleuchtenden Al- magre.

Zwei vulkanische Formen sind typisch: Der lineare Typ (Lanzarote) baute sich entlang einer Spalte auf, an der sich kleinere Vulkane aneinanderdrängen. Am häufigsten ist auf den Kanarischen Inseln der CalderaVulkan vertreten, eine Art Kraterkessel, der vermutlich durch Explosion oder Einsturz des ursprünglichen Vulkankegels entsteht. Der berühmteste ist die Caldera de Taburiente auf La Palma. Ein anderes und sogar bewohntes Exemplar ist der BandamaKrater bei Las Palmas auf Gran Canaria. Ein Bauer hat sich diesen weltabgeschiedenen Lebensraum erschlossen.

Die Kanarischen Inseln entstanden vor etwa 20 Millionen Jahren, die Purpurarien auf dem Kontinentsockel Afrikas vermutlich noch eher. Versteinerungen von Kiefern und Lorbeerstämmen auf Gran Canaria und Teneriffa werden auf ein Alter von 600 000 Jahren geschätzt.

Lanzarote, Teneriffa und La Palma (Teneguia 1971) waren noch in historischer Zeit Schauplätze vulkanischer Tätigkeit. Auf Gran Canaria, Fuerteventura und vielleicht auf El Hierro dürfte es bis in die jüngere vor- historische Zeit, auf La Gomera bis zum Beginn des Quartärs zu Eruptionen gekommen sein.

Die Inseln im einzelnen:

Teneriffa bedeckt mit 2057 qkm 28 Prozent der gesamten Oberfläche des Archipels, ist annähernd dreieckig mit dem Inselwahrzeichen Pico del Teide (3718 m) im Zentrum. Für die europäischen Geographen des 16. Jahrhunderts war es der höchste Berg der Welt.

Der Süden ist vergleichsweise kahl, trocken und wird von zahlreichen Barrancos (Erosionstäler) zerschnitten.

Vom äußeren Rand der Cariadas, die zum Massiv des Pico del Teide gehören, verliert der Cumbre de Pedro Gil (Cordillera Dorsal) genannte Bergrücken nach Nordosten an Höhe. Er wird durch die Paßsenke von La Laguna vom schmalgratigen AnagaBergland getrennt. Das Anaga- und das Teno-Gebirge im Nordwesten sind die ältesten Glieder von Teneriffa.

Daß die Insel ursprünglich aus drei vulkanischen Inseln entstand, die sich auf den Ausläufern des Atlasgebirges erhoben und später vulkanisch zusammenwuchsen, daran erinnern die markanten Gebirgsstöcke des Anaga-Gebirges im Nordosten, das Teno-Gebirge im Nordwesten bei Buenavista und Garachico und im Süden die Region um Adeje, Arona bis zum Valle de San Lorenzo und San Miguel.

Der Norden ist grün, der Süden sonnenreich, die –Pflanzenwelt üppig. Von den fruchtbaren Tälern wie dem von La Orotava schwärmte bereits der deutsche Naturforscher und Bergmann Alexander von Humboldt Ende des 18. Jahrhunderts. Während auf dem Pico del Teide noch Schnee liegt, herrscht auf den feinen, gold-

farbigen Stränden im Süden oder den schwarzsandigen im Norden ununterbrochen die Badesaison. La Palma (eigentlich San Miguel de la Palma) ist 728 qkm groß, liegt nordwestlich von Teneriffa. Sie hat die Gestalt eines fast herzförmigen Keils, dessen vulkanbesetzte Spitze mit Fuencaliente nach Süden zeigt. Den nördlichen Teil nimmt eine mächtige vulkanische Kuppel ein, mit dem gewaltigen, steilhangigen Senkkrater Caldera de Taburiente (Durchmesser von 9 km) in der Mitte. Der Roque de los Muchachos ist mit 2356 m auch die höchste Stelle der Insel. Der nördliche Abschnitt heißt Cumbre Nueva (1435 m), die Höhe im Süden Cumbre Vieja (1950 m).

Den Beinamen Grüne Insel verdankt La Palma Werbefachleuten, die damit den Kiefern-, Pinien- und Lorbeerwäldern im Zentrum ein Denkmal setzten, ebenso den Wein-, Tabak- und Bananenplantagen. Die Palmeros nennen ihre Insel lieber Isla bonita, die schöne, die liebliche Insel. Doch es gibt auch wild zerklüftete Felslandschaften, romantische Schluchten und Wasserfälle.

Die Vulkane Las Manchas und San Juan machten 1949 darauf aufmerksam, daß es unter der Erde La Palmas noch brodelt, und der Teneguia brach zuletzt zwischen dem 26. Oktober und 22. November 1971 aus.

Dadurch entstanden im Süden großflächige Malpaises, Gegenden mit unfruchtbarem Boden, die an Mondlandschaften erinnern.

La Palma ist die niederschlagsreichste Insel der Kanaren, doch nach einem Schauer wird es auch schnell wieder trocken und warm. Zentren einer früheren Zuckerrohrkultur waren bis 1815 im Osten San Andres und Los Sauces, das Gebiet nördlich von Santa Cruz de La Palma, Tazacorte und die typische Landstadt Los Llanos de Aridane.

La Gomera ist fast kreisrund, nur im Norden abgeflacht, ansonsten ist die 378 qkm große Insel von Gebirgen und steilen Küsten geprägt. Nur 16,22 qkm werden landwirtschaftlich genutzt, 81,5 qkm sind bewaldet. Das Landesinnere ist durchschnittlich 800 bis 1000 m hoch und ein flaches Relief mit muldenförmigen Tälern, die in steilen Hängen münden. Höchste Erhebung: der Alto de Garajoney (1487 m) südlich vom Zentrum. Palmenbewachsene Täler erinnern an die Tropen, wechseln sich ab mit dichten Wäldern. Die wichtigsten Erosionstäler findet man im Norden bei Hermigua und Vallehermoso, im Westen das Valle Gran Rey, im Süden das Tal Playa de Santiago und im Osten das Valle de la Villa. Auf EI Hierro lag für Gerhardus Mercator (1512 — 1594) der NullMeridian. Sein Kartenwerk heißt heute zwar noch immer Atlas, zeigt aber Greenwich als den Längengrad an, von dem aus die Welt seit 1884 in Ost und West geteilt wird. Faro de Orchilla blieb jedoch weiterhin der südwestlichste Punkt des politischen Europas.

El Hierro ist nur 277 qkm groß und damit — abgesehen von den Isletas vor Lanzarote — die kleinste Insel des Kanarischen Archipels. Die stellenweise mauerartigen Steilküsten fassen die Insel auf über 1000 m ein. Die größte Kliffhöhe wird im Südosten der Insel bei Las Playas mit 1200 m erreicht. Die höchste Erhebung ist der Mal Paso mit 1501 m Höhe. Über 100 kleine Einzelvulkane prägen heute noch die Oberfläche der Insel. El Hierro hat die Form eines Dreiecks, das an allen Schenkeln eingebuchtet ist. Die Hochfläche im Zentrum (15 km im Durchmesser) reicht bis 900 m senkrecht hoch und bricht zum sichelförmigen flachen Vorland von El Golfo ab.

Die Insel ist landschaftlich gesehen voller Kontraste: schroff, lieblich, kahl, bewaldet, bizarr und romantisch. Die Gegend um Frontera ist ein reiches Weinbaugebiet. Der Süden ist nahezu unbewohnt.

Gran Canaria ist 1532 qkm groß, 47 km breit und 55 km lang. Bis Spanien sind es 1000 km, bis zur afrikani-

schen Küste etwa 350. Ähnlich La Gomera ist Gran Canaria fast kreisrund. Die höchste Erhebung ist der Pozo des las Nieves (1949 m), der Brunnen oder die Vertiefung des Schnees. Zu seinem Massiv gehören auch die weiten Kiefernwälder von Tamadaba.

Durch den Isthmus von Guanarteme im Nordosten ist der Insel eine Halbinsel angegliedert, die Isleta, die heute zum Großteil vom Hafenviertel der Hauptstadt eingenommen wird. Gran Canaria wird durch radial angeordnete Täler auf allen Seiten tief zerschnitten. Die gewaltigen Talungen der Barrancos de Tejeda und de Tirajana schließen sich an das Hochland an. Der südwestliche Teil, der Tamaran, führt steil auf eine Hochfläche. Gran Canaria ist vulkanischen Ursprungs und wurde wie ein Schildvulkan aufgebaut, den Geologen als hawaiischen Typ bezeichnen. Das Haupteruptionszentrum lag im westlichen Teil der jetzigen Insel. Fruchtbare Ebenen findet man auf Gran Canaria im Norden, vor allem bei Agaete, Gelder und Arucas. Zitrusfrüchte und Bananen werden hier für den Eigenbedarf und den Export angebaut. Um Firgas wird aus den reichen Quellen so viel Trinkwasser gewonnen, daß ein Export zu den Nachbarinseln möglich ist.

Vor allem der Süden Gran Canarias ist trocken. Positiv ausgedrückt: sonnensicher. Der Besucher findet sich im Süden Gran Canarias an den Dünenstränden bei Maspalomas, Playa del Ingles, San Andres und Puerto Rico in die Sahara versetzt.

Fuerteventura ist 1731 qkm groß und die zweitgrößte der Kanarischen Inseln in der Gestalt eines flachen, asymmetrisch aufgebauten und lang- gestreckten Ovals. Die Küstenlänge insgesamt: 327 km. Fuerteventura ist die östlichste der Kanarischen Inseln und am dichtesten an der Küste Marokkos gelegen.

Die Insel besteht aus zwei Teilen, die durch den 5 km langen lsthmo de La Pared miteinander verbunden sind: Der Hauptkörper Maxorata und die südliche Halbinsel Jandia sind vermutlich Reste eines riesigen Kraters. Die höchsten Erhebungen der sichelförmigen Halbinsel Jandia sind der Pico de la Atalaya, dem im Osten muldenförmige Täler gegenüberstehen. Im Norden finden wir abgeflachte Sand- und Lavafelder. Der Pico de la Zarza stellt mit 807 m den höchsten Punkt Fuerteventuras dar. Fuerteventura ist vergleichsweise dünn besiedelt. Die Nähe Afrikas ist spürbar, es regnet selten, und die kilometerlangen Strände sind menschenleer — außer auf Jandia oder im Norden bei Corralejo. Die weißgetünchten Häuser der Dörfer und die grünen Oasen um die Hotels bilden dazu angenehme Kontraste.

Die offene, braune Landschaft mit bröckelnden grauen Wänden, aufgesetzten Vulkanwarzen, abgelegenen Lavaflüssen und langen weißen Stränden läßt jene attraktiven Kontraste der Westinseln vermissen. Das Bergland im Südosten zeichnet sich durch sanftere Rundungen aus; die Bergkette auf der Halbinsel Jandia ist das Wildeste in der Geographie von Fuerteventura.

Das größte Problem auf Fuerteventura ist immer das Wasser gewesen. Aus über 1500 tiefen Brunnen muß das Wasser mit Windgeneratoren heraufgepumpt werden. Die Bauern bestellen nur in den feuchteren Tälern ihre Felder, bei Gran Taraja, Tindaja und Vega de Rio de Palmas beispielsweise.

Lanzarote ist noch immer eine Insel, die Einzelreisende erkunden können, auch wenn in den letzten Jahren der Massen-Tourismus seine Areale fordert, breite Strände mit vulkanischem Sand. Die Krater der Insel verleihen Lanzarote ein düsteres und wildes Aussehen. Die wüstenhaften Flächen um die Dörfer wirken unfruchtbar. Das täuscht. Denn diesen Böden ringen fleißige Bauern Getreide, Früchte, ja sogar Wein ab.

Ausgedehnte Lavafelder und fast 300 Vulkankegel findet man auf der 795 qkm großen Insel. Lanzarote sieht aus wie ein an beiden Enden doppelseitig eingebuchteter und flach aufgewölbter Schild.

Vor der Nordküste liegen die Isletas, die kleinen Inseln La Graciosa, Montaria Clara, Roque del Oeste (oder Roque del Infierno), Alegranza und Roque del Este. Sie sind größtenteils unbewohnt, dienen sogar nur als Viehweide. Südlich von Playa Blanca liegt die Insel Lobos, die von Fuerteventura verwaltet wird.

Die höchsten Vulkankegel auf Lanzarote sind zwischen 400 und 600 m hoch und reichen im Norden von Famara-Guatifay bei La Caleta bis zu den Höhen von Los Ajaches. Der höchste Punkt mit 671 m ist der Erosionsgipfel des Perias de Chache im Famara-Rücken. Das nördliche Bergland bricht steil nach Westen zur Meeresstraße El Rio ab. Dem südlichen Rücken ist die Küstenebene El Rubicon vorgelagert. Größere Täler befinden sich nur ostwärts in Richtung des Meeres.

In der Inselmitte befindet sich ein 3 — 5 km langer Sandstreifen mit ehemaligen Wanderdünen, die heute größtenteils festgelegt worden sind. Die nördlichste der Kanareninseln gleicht seit den Vulkanausbrüchen im 18. Jahrhundert in weiten Bereichen einer Mondlandschaft. Die erstarrten Lavaströme im Norden werden mit roten Feuerbergen verglichen.

Die herbe Schönheit Lanzarotes ist vor allem bei Badefreunden beliebt. Besonders die Strände der flachen Südküste ziehen sie an. Vor den Küsten haben sich verschiedene Riffe gebildet, nach denen auch die Hauptstadt Arrecife benannt wurde. Diese Riffe schützten die Häfen und erleichtern es den Fischern, ihren Fang anzulanden.

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