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Wetter

Mai-31-2008 By admin

Die Frage nach der besten Reisezeit auf den Kanarischen Inseln ist immer ein bisschen peinlich: Eine beste Reisezeit gibt es nicht, wenn man auf dem Archipel vom Wetter spricht. „Ewiger Frühling” ist eines der Worte, mit denen dieses Urlaubsgebiet schwärmerisch bedacht wurde. Alexander von Humboldt nannte das Wetter gar ein „in Blattgrün verwandeltes Klima”, auch der Begriff des „Jungbrunnens” kursiert — mit Recht.

Die Temperaturen reichen von hochsommerlich bis winterlich. Und das zur gleichen Zeit und auf einer und derselben Insel. Teneriffa zum Beispiel. Wenn oben auf dem Vulkankegel Pico del Teide Kinder und Eltern im verharrschten Schnee spielen, liegen wenige Kilometer weiter Sonnenhungrige am Strand, trocknen sich das warme Wasser des Golfstromes von den gebräunten Körpern. Geologen teilen das Wetter den Höhenlagen entsprechend in drei Gruppen: Das Küstenwetter mit Temperaturen von 20 und 21 °C berührt Höhen bis 300 m. Von 500 bis 1800 m herrschen niedrigere Temperaturen — im Jahresdurchschnitt 15 °C — und große Unterschiede zwischen Tag und Nacht. Das Höhenklima schließlich über dem Wolkenmeer weist die größten Tag/Nacht-Unterschiede auf und einen Jahresdurchschnitt von 10 °C bei 26 bis 30 °C im Sommer und 8 bis 0 °C im Winter. Die Vielfalt der Wettererscheinungen machten die Kanarischen Inseln zu einem der populärsten Urlaubsgebiete für Mitteleuropäer. Doch auch die Festlands-Spanier fühlen sich hier wohl, weil es im Sommer nicht ganz so heiß ist wie auf der Iberischen Halbinsel.

Andererseits: Es gibt auch Gegenden wie das Cruz de Tejeda, hoch über einer tiefen Schlucht nicht weit von den Kiefernwäldern von Tamadaba auf Gran Canaria. Das Wetter ist mitunter ein wenig unangenehm. Der Spitzname „versteinertes Unwetter” spricht für die Hartnäckigkeit dieses kühlen Wetters. Viele Reisende, die in Maspalomas im Bikini und in Shorts zu einer Rundfahrt über die Insel starteten, haben es schon bibbernd bereut, einen offenen Wagen gemietet zu haben, um das Cruz zu besuchen.

Frühling heißt also wechselhaftes Wetter. Es regnet mal mehr, mal weniger. Bodennebel, tief auf den Straßen liegende Wolken, feuchte Wälder mit Lorbeerbäumen und Kiefern, von denen es ständig tropft — Kanarische Inseln heißt eben nicht nur Sonnenschein. Erst recht nicht auf den kleineren der Fortunaten: La Gomera und El Hierro. Es ist gebirgig, die Sonne scheint, doch ihre Strahlen dringen längst nicht immer in die tiefsten Ecken der Schluchten. Ein längerer Spaziergang oder eine Wanderung über mehrere Tage muß gut vorbereitet sein. Wenn es hier warm sein sollte, kann es im nächsten Tal im tiefsten Schatten schon wieder unangenehm kühl werden.

Böse umschauen werden sich gar die, die sich lediglich einen dünnen Schlafsack mitbringen. Unten an der Küste mag es noch warm sein. Hoch oben im Norden von La Palma, mehrere hundert Meter über dem Meeresspiegel, pfeifft gleichzeitig ein kalter Wind. Zuverlässig sind dagegen die Inseln im Osten gen Afrika. Hier ist es meistens warm, zu warm. Die Bauern wissen ein Lied davon zu singen. Auf Fuerteventura, der zweitgrößten Insel des Archipels, gibt es inzwischen kaum noch Bauern, die sich dieser Trockenheit stellen wollen. Nur in wenigen Tälern wird überhaupt noch angebaut.

Nicht resigniert haben die Menschen auf Lanzarote, das ebenfalls keine Berge vorweisen kann, die Wolken aufhalten würden. Sie besiegten die klimatischen Bedingungen durch Technik, schaffen es, das wenige Wasser durch verfeinerte Methoden so zu nutzen, daß sogar Melonen oder Wein gedeihen. Die Sache ist denkbar einfach, wenn auch arbeitsintensiv: Der Boden mit den Setzlingen wird einfach mit feinem Gestein bedeckt, das einen Treibhauseffekt auslöst, so daß Verdunstungswasser immer wieder den Wurzeln zugeführt wird.

Das Klima wird als mittelmeerischsubtropisch bezeichnet, was sich in einer überraschenden Vielfalt von Pflanzen bemerkbar macht. Palmen, Kiefern, Bananen, Zuckerrohr, Mangos, Papaya, Kakteen, Äpfel und Kartoffeln wachsen nur wenige Kilometer Luftlinie voneinander entfernt. Der Wind im Süden der meisten Inseln läßt Surfer in Entzücken ausbrechen, sofern sie einen Zugang zur Küste finden, was auf El Hierro, La Gomera und La Palma nicht immer selbstverständlich ist.

Zwei Winde sind vor allem zu erwähnen. Der eine kommt aus der Sahara, ist trocken und heiß: der Levante oder Harmattan. Ihm haben die Purpurarien und Gran Canaria die faszinierenden Dünenlandschaften und kilometerlangen Sandstrände zu verdanken: Maspalomas, Jandia, Corralejo, Playa Blanca. Drei- bis viermal im Jahr bläst der Harmattan bis zu fünf Tage besonders stark herüber und lädt dabei etwa 5000 Tonnen Sahara-Sand alleine auf Gran Canaria ab — der meist einzige Niederschlag übrigens auch auf Lanzarote und Fuerteventura. Die Luft wird dann 45 °C heiß, auch die Nächte bekommen bei 30 Prozent Luftfeuchtigkeit etwas Drückendes. Doch immer wieder erfüllt sich die Hoffnung, daß der Spuk nach wenigen Tagen vorbei ist, der in früheren Zeiten auch mit Heuschreckeneinfällen aus Afrika verbunden war.

Wehe dem allerdings, der nicht auf seine Kamera aufgepaßt hat. Sand findet sich in jeder kleinen Nische von Kamerataschen und Verschlüssen, die nicht sorgfältig verpackt worden sind. Der zweite Wind kommt vom Atlantik: der Passat. Er entsteht in den Hochdruckgebieten der Azoren, streift als Nordostpassat die Wasseroberfläche, ist dementsprechend feucht und kühl. über den Kanarischen Inseln wird er von einer warmen Luftschicht überdeckt. Eine 300 bis 700 m dicke Wolkenschicht regnet nicht zwangsweise auch ab. Diese Wolken streifen dann die höheren Gebirgszüge, was besonders faszinierend auf La Palma vom Aussichtspunkt Mirador El Time zu sehen ist. Wie Dämpfe in einem Chemie-Labor kriechen die Passatwolken über die Ausläufer des Senkkraters Caldera de Taburiente und versuchen sich schwer auf die tiefen Ebenen vor Los Llanos de Aridane zu legen. Das mißlingt, denn die aufsteigende Wärme löst die Wolken gleich wieder auf.

Anders auf El Hierro und in den Kiefernwaldgebieten der gebirgigen Westinseln. Die Bäume melken die Wolken und verdoppeln damit die Wassermenge, die sie zum Wachsen benötigen.

Die durchschnittlichen Niederschlagsmengen pro Jahr: Lanzarote: 135 mm/Jahr Fuerteventura: 147 mm/Jahr

Gran Canaria: 325 mm/Jahr Teneriffa: 420 mm/Jahr

La Gomera: 410 mm/Jahr

El Hierro: 426 mm/Jahr

La Palma: 586 mm/Jahr.

Im Anaga-Gebirge auf Teneriffa und in Tamadaba auf Gran Canaria können in regenreichen Jahren auch 1200 mm Regen fallen. In anderen Jahren bleibt der Regen dagegen völlig aus. In den Kiefernwäldern können die Niederschlagsmengen kleinräumig bis zu 2500 mm betragen. Manche Reisende wollen es genauer wissen, denn das Klima der einen Insel kann sich von dem der anderen erheblich unterscheiden. Ein kleiner Überblick:

Teneriffas Klima gilt als besonders mild und über das Jahr gesehen ausgeglichen. Im Winter ist das Wasser wärmer als die Luft; im Hochsommer ist es umgekehrt. Durchschnittliche Lufttemperaturen von 18 °C im Frühling und 22 °C im Sommer locken zahlreiche Reisende an. Jeder Monat hat seinen besonderen Reiz. Wie auf Teneriffa ist auch auf La Palma das Klima über das Jahr gesehen ausgeglichen. Die Lufttemperaturen schwanken zwischen 17 und 24 °C, die des Wassers zwischen 18 und 23 °C. Einen Unterschied gibt es lediglich den Höhenlagen entsprechend. Dann schwanken die Temperaturen erheblich, je nachdem, ob man sich in der Caldera de Taburiente, im Norden, Westen oder Süden der Insel befindet. Das hat den Vorteil, daß man sich als Wanderer bewaldete und etwas kühlere Regionen für seinen Urlaub wählen kann, als „Wasserratte” jedoch den sonnigeren Südwesten mit seinen Stränden. Die Insel bietet für jeden etwas — auch klimatisch. Vergleichbar mit La Palma ist das Klima auf La Gomera und EI Hierro, wobei allerdings zu bedenken ist, daß diese Inseln hoch aus dem Wasser ragen und dementsprechend vor allem das Klima der mittleren Höhen haben.

Wetter Las Palmas
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